Die St. Anna-Kapelle in Westbevern-Vadrup

Westbevern - Die St.-Anna-Kapelle kann in diesem Jahr auf ein Alter von mindestens 635 Jahren zurückblicken. Das haben Recherchen im Vorfeld des Jubiläums ergeben, das am 1. Mai gefeiert wird. Erstmals wurde die Kapelle bereits am 2. November 1374 urkundlich erwähnt. Seinerzeit belasteten die Gebrüder Hermann und Gerd von Langen das Erbe Dieckhoff mit drei Schillingen münsterschen Geldes. Dafür sollten der damalige Pfarrer Clawes Cloppekiste und seine Nachfolger alle Jahre monatlich eine Messe in der Kapelle zu Vadrup (Vadorpe) lesen.

Das Gotteshaus wurde zu „Ehren Unserer Lieben Frau und des Heiligen Georg erbaut und geweiht“. Später wurde sie in „St.-Anna-Kapelle“ umbenannt.

Im Jahre 1753 goss der Glockengießer Friedericus Schweys die Bronze-Glocke für die Kapelle, die seitdem regelmäßig zu den Gottesdiensten einlädt. 1788/89 wurde die vermutlich früheste Kapelle in Vadrup abgebrochen und an ihrer Stelle eine neue in damals üblicher Fachwerkkonstruktion erbaut.

Im Jahre 1834 wurde die Kapelle renoviert, das bewies ein Stein mit der Jahreszahl 1834, der entdeckt wurde, als die inzwischen zu kleine Kapelle 1919 um einen Meter nach Westen verlängert wurde.

Am 3. April 1916 weihte Frater Eligius Ewers, Guardian (Vorsteher) des Franziskanerklosters in Münster, den neu errichteten Kreuzweg in der St.-Anna-Kapelle feierlich ein. Die Künstler Byvant und Weischer aus Münster malten im Jahre 1920 die Kapelle in ländlichem Barockstil aus.

Noch im Jahre 1938 zimmerte der Bau- und Möbelschreiner August Lienemann aus Westbevern 13 neue Bänke für das Gotteshaus. Aufgrund der maroden Bausub­stanz und der Vielzahl der Renovierungsmaßnahmen beschloss der Kirchenvorstand von Westbevern in seiner Sitzung am 17. Juli 1957 einen Neubau. Am 11. August 1958 begann der Abbruch. Wegen der trockenen Witterung waren Mitte Oktober die Bauarbeiten im Wesentlichen voll­endet.

Unter reger Teilnahme der Bevölkerung wurde die neue St.-Anna-Kapelle am Freitag, 1. Mai 1959, nach nur neunmonatiger Bauzeit feierlich eingeweiht. Der damalige Generalvikar und spätere Weihbischof Laurenz Böggering nahm im Auftrag des Bischofs die Weihe vor.

Die St.-Anna-Kapelle mit ihrem roten Mauerwerk hat eine Länge von 18,60 Metern und verfügt über 109 Sitzplätze. Das Türmchen krönt die Mitte der Kapelle und hat eine Höhe von rund 11,50 Metern.

Der Bildhauermeister H. Sievers aus Münster stellte eine Konsole aus Gravenhorster Sandstein für eine Madonnenfigur her, die der Bildhauer Hubert Janning, ebenfalls aus Münster, aus alter Eiche zum 8. September 1959 anfertigte.

Der Kreuzweg besteht aus Holzplatten und ist aus dem Christophorus-Verlag. Er wurde am Palmsonntag, 10. April 1960, durch Franziskanerpater Reinhold feierlich eingeweiht.

Die Kapelle steht unter dem Schutz der Heiligen Anna. Da aber eine Darstellung von ihr in dem Gotteshaus fehlte, stiftete das Ehepaar Alois und Paula Riemann aus Dankbarkeit eine St.-Anna-Statue, dargestellt mit einem Buch. Heinrich Braker aus Warstein schnitzte das Stück, das während eines Gottesdienstes am Dienstag, 28. Juli 1987, durch Pfarrer Wilhelm Elskamp eingeweiht wurde.

Zu Beginn der Fastenzeit 1998 wurde das neue Hungertuch an der Rückseite des Altarraumes in der St. Anna-Kapelle aufgehängt. Dieses hat das „Fries der Vergänglichkeit“ als Motiv und gibt fünf Darstellungen davon wieder. Dies sind: eine erloschene Kerze, ein zerbrochener Krug, ein Stundenglas, ein vertrockneter Ast und eine Ruine. Der violett gehaltene Untergrund sticht deutlich von der weißen Wand ab.

Auf vielfachen Wunsch der Pfarrangehörigen aus Vadrup wurde laut eines Beschlusses des Pfarrgemeinderates vom 30. November 1998 die Messe an den Sonntagen um 8 Uhr ab dem 3. Januar 1999 in die St. Anna-Kapelle verlegt. Das Ganze wurde in Vadrup mit großer Freude aufgenommen.Am 22. Dezember 2003 wurde die neue Orgel von der Firma Benedikt aus Fallingbostel aufgestellt. Die Kosten in Höhe von rund 12 000 Euro kamen durch Spenden zusammen.

Zahlreiche Vereine hatten und haben einen besonderen Bezug zur St.-Anna-Kapelle. So hat der MGV „Eintracht“ Vadrup bis Anfang der 1960er Jahre die Erlöse seiner Theateraufführungen für das Gotteshaus zur Verfügung gestellt. Zudem trugen die Sänger mit ihren Liedern bei der Einweihung der Kapelle im Jahre 1959 musikalisch zum Gelingen bei.

Alljährlich begann das Schützenfest des Schützenvereins Westbevern-Vadrup von 1774 jahrzehntelang mit einer Messe in der Kapelle. Erst seit 1995 finden die Gottesdienste im Festzelt statt.

Eine alte Tradition hat auch der Reiterverein „Gustav Rau“ Westbevern von 1923. Am Tag der Fuchsjagd feiert die Reiterfamilie jeweils ihren Gottesdienst zum Gedenken an die verstorbenen Mitglieder in der Kapelle.

Ökumene wird in Westbevern übrigens groß geschrieben. Bis zur Fertigstellung des Maria-Magdalena-Hauses am 8. September 1991 stellte die damalige Pfarrgemeinde Ss. Cornelius und Cyprian den evangelischen Mitchristen die St.-Anna-Kapelle für ihre Gottesdienste zur Verfügung. Diese Tradition reicht bis in die 40er Jahre zurück.

Dieser Artikel stammt von Helmut Sommer aus dem Jahr 2009 - Erschienen in den Westfälischen Nachrichten am 24.4.2009

St. Anna-Kapelle 2015

St. Anna-Kapelle im Jahr 2015
St. Anna-Kapelle im Jahr 2015 Hier ist noch das Ehrenmal im alten Zustand

St. Anna-Kapelle 2016

St. Anna-Kapelle 2016
St. Anna-Kapelle 2016 Das Ehrenmal wurde vom Schützenverein Vadrup erneuert.