Der Kreuzweg in Westbevern

Der Kreuzweg vor und nach der Restaurierung 2005

Die Geschichte des Kreuzweges - von Franz Drücker

Der Kreuzweg in Westbevern

Der Pfarrer Bernhard Tapke beantragte am 21.7.1856 beim Generalvikariat die Genehmigung zur Errichtung von 14 Kreuzwegstationen. Gleichzeitig bat er um Erlaubnis einer Prozession am Karfreitag. Das Generalvikariat erteilte bereits am 23.7. 1856 die erforderlichen Genehmigungen.
Der Pfarrer führte das Vorhaben gemeinsam mit dem Vikar Bernhard Siemann und dem Theologiestudenten Christian Koppernagel aus. Sie übernahmen auch die Kosten für die 12. Station. Das Kruzifix trägt den Namen dieser Spender.
Der Bildhauer Johann Adam Ney aus Münster wurde beauftragt, die 14 Stationen zu erstellen und diese zum Fest des heiligen Johannes (24.6.) 1857 zu liefern. Die Kosten für die übrigen Stationen übernahmen Westbeverner Familien und Einzelpersonen. Die Eheleute Anton und Maria Schulze Dieckhoff stifteten die Marienstatue, die Johannesstatue wurde von der „Jünglingssodalität“ gestiftet.
In dem „Landwirtschaftlichen Wochenblatt“ Jahrgang 2005, Ausgabe 4, ist unter dem Artikel „Ich will die Größen dieser Welt kennen lernen“ eine Lebensbeschreibung über die Künstlerin Elisabeth Ney, die Tochter des Vorgenannten, veröffentlicht worden. Die Historikerin Dagmar von Stetten-Jelling erstellte eine umfassende Biografie dieser Künstlerin. Sie hebt darin als ein herausragendes Werk dieser Künstlerin ein Kruzifix hervor, das sie für einen Kreuzweg in Westbevern angefertigt hat. Vermutlich wird sie ihren Vater auch bei der Herstellung der weiteren Stationen behilflich gewesen sein.
Als eine der ersten Frauen wurde sie 1852 an der Akademie der bildenden Künste in München zugelassen. 1855 wurde sie auch noch an der Akademie für bildende Künste in Berlin zugelassen. Weitere bekannte Werke dieser Künstlerin sind u. a. die Büsten von Justus Liebig, Otto von Bismarck, Schoppenhauer und dem italienschem Freiheitskämpfer Garibaldie. Die Statue des Bayernkönigs ist im Schloss Herrenchiemsee aufgestellt und die Büste Ludwig II. wird heute noch jedem Besucher im Schloss Neuschwanstein gezeigt.
Weitere Veröffentlichungen über die Künstlerin sind anliegend beigefügt und erfolgten: am 30.6.2007 in der WN. im Westfalenspiegel, Jahrg. 56, 3/2007 und am 26.1.2008 in der WN.
Am 11.10.1887 wurde der Kreuzweg durch einen Franziskanerpater aus Warendorf feierlich eingeweiht. Seit Karfreitag 1858 wird jährlich die Kreuzweg-Prosession durchgeführt.

Im Jahre 1895 erfolgte die erste Renovierung des Kreuzweges. Diese Kosten übernahm die Familie Koppernagel.
Nach dem ersten Weltkrieg wurden die Stationen 1 bis 10 1920/ 21 und die Station 11 1934 in der heutigen Form erneuert, die in Sandstein erstellten Bildplastiken wurden in die neu angefertigten Kunststeinstationen eingesetzt. Folgende Familien übernahmen als Dank für Gottes Schutz im Weltkrieg die Kosten für die Erneuerung folgender Stationen:Station: Familien Riemann und MersmannHeute: Sommer, Wiewelhook 26 und Gerbert, Mersch 21
Grundstückseigentümer: Stadt Telgte

Station: Familie Lütke Westhues, Mersch 21 Grundstückseigentümer: Thomas Merschkötter, Mersch 7

Station: Familie Dartmann – AlfersHeute: Alfers, Wiewelhook 50
Grundstückseigentümer: Gertrud Greshake

Station: Familie Bernhard DieckmannHeute: Bernhard Dieckmann, Münster, Nünningweg 150
Grundstückseigentümer: Stadt Telgte

5.Station: Familien Weitkamp und Schröder
Heute: Austrup, Mersch 2 und Bernhard Schröder, Im Lütken Esch 21
Grundstückseigentümer: Johannes Koppernagel, Mersch 9

6.Station: Familien Große Schehove und Riemann – Plinge
Heute: H. Strotmann, Ostbevern, An der Aa 7 und Josef Riemann, Kortenkamp 18
Grundstückseigentümer: Hermann und Ludgera Sickmann, Mersch 11

7. Station: Familien Bernhard Brungert und Bernherd Große Vogelsang
Heute: Der Hof Brungert ist veräußert und Alfons Große Vogelsang, Wiewelhook 47
Grundstückseigentümer. Hermann und Ludgera Sickmann, Mersch 11

8. Station: Familie Cornelius Schulze Topphoff
Heute: Cornelius Schulze Topphoff, Lütken Heide 21
Grundstückseigentümer: NRW Straßen bau

9. Station: Familie Schulze Terborg
Heute: Der Hof im Borg Esch existiert nicht mehr und die Familie ist verzogen
Grundstückseigentümer: Austrup, Mersch 2

10. Station: Familie Bernhard Mennemann
Heute: Mennemann, Wiewelhook 16
Grundstückseigentümer: Bernhard Dieckmann, Münster, Nünningweg 150

11. Station: Familien Große Hovest – Alfers und Schulze Hobbeling
Heute: Große Vogelsang, Wiewelhook 35 und Schulze Hobbeling, Grevener Straße 161
Grundstückseigentümer: Bernhard Dieckmann, Münster, Nünningweg 150
Am 10.5.1937 wurde die Muttergottesstatue von ihrem Podest gestürzt und zertrümmert. Hiernach ist die gesamte Anlage des Kalvarienberges renoviert worden. Die Familien Göttker-Wietkamp und Weiligmann-Imkamp übernahmen die Kosten für die Marien-Statue und die Kosten für die Johannes-Statue die Geschwister Stricker. Die weiteren Kosten von 1725 RM übernahm die Gemeinde Westbevern einschließlich der 13.und 14. Station. Die Rückseite der 14. Station trägt die Jahreszahl 1938.

Bei der Sühneprozession zum Kalvarienberg am 3.4.1938 erfolgte durch den Kaplan Friedrichs aus Münster die Einweihung der neuen Kalvariengruppe.

Auf Anregung der Frauengemeinschaft Westbevern wurden die Stationen 1 bis 7 auf Grund des zunehmenden Verkehrs auf der Landstraße auf die heutigen Stellen mit einem Kostenaufwand von rd. 10.000 DM durch den Bildhauer Hermann Stangier (Telgte-Lauheide) renoviert und versetzt. Diese Maßnahme förderte zu 2/3 das Landesdenkmalamt. 1/3 der Kosten wurden von der Kirchengemeinde und durch Spenden aufgebracht. Seit 1986 steht die gesamte Anlage unter Denkmalschutz.

© Franz Drücker

Gern gesehen

Die Bildpräsentation zeigt Ihnen die Stationen vor und nach der Restaurierung