Unser Pfarrer Heinrich Wiesmann

Don Camillo als „fliegender Holländer“
Unser Pfarrer führte während seiner Westbeverner Zeit auch Krankenbesuche in Maria Frieden durch. Außerdem erteilte er noch den Religionsunterricht in den Schulen Dorf und Vadrup. Um diese Aufgaben erfüllen zu können schaffte er sich ein Moped an, da er keinen Führerschein besaß. Mit dem Moped und einer Lederhaube bewaffnet, fuhr er dann meistens im ersten Gang mit Vollgas durch den Ort. Sein Verständnis zur Technik war nicht besonders ausgeprägt und so fiel ihm das Umschalten sehr schwer. Es sah schon sehr ulkig aus, wenn man ihn mit der Soutane und der Lederhaube bekleidet, meistens noch mit dem lose flatternden Schließriemen in der ihm eigenen verkrampften Haltung durch Westbevern flitzen sah. Die hochtourigen Fahrten im ersten Gang erforderten natürlich einen häufigen Werkstattaufenthalt bei Paul Pellmann in Vadrup.
Geschah die Panne im Zusammenhang mit dem Religionsunterricht in Vadrup, wurde Hubert Schulte mit der Fahrt zur Werkstatt beauftragt. Da er technisch versiert war, nutzte er diese Gelegenheit einmal gründlich aus. Hatte er doch bei einem vorherigen Werkstattbesuch herausbekommen, dass nur die Zündkerze gereinigt werden musste. Diese „Reparatur“ führte er dann selbst aus und nahm dann die Gelegenheit zu einer ausgedehnten Probefahrt wahr. Was er hierbei aber nicht beachtete war der Umstand, dass er den Tank fast leer gefahren hatte. Als auf dem Heimweg das Moped schon wieder versagte, muss der Pfarrer wohl sehr erstaunt gewesen sein als er feststellte, dass ein erneuter Werkstattbesuch fällig war. Der Besuch erbrachte für den Pfarrer die Erkenntnis, dass Hubert die Werkstatt gar nicht aufgesucht hatte. Der Übeltäter brauchte zukünftig zwar keine Werkstattfahrten mehr durchzuführen, dafür bekam er dann in Religion eine sechs auf seinem Entlassungszeugnis. Bei der Bewerbung um eine Lehrstelle stutzte sein späterer Lehrherr über die Benotung auf seinem Entlassungszeugnis. Nachdem Hubert diesen Umstand erläutert hatte, meinte der Meister schmunzelnd: „Über technisches Verständnis scheinst Du ja wohl zu verfügen“ und stellte ihn ein.

Auch das noch : Pfarrer Wiesmann als Autofahrer!

„ Leute sperrt die Hühner ein, denn Wiesmann hat den Führerschein!“, so ging ein Spruch durch Westbevern, als man in Erfahrung gebracht hatte, dass Pfarrer Wiesmann endlich den Führerschein bekommen hatte. Nach sehr vielen Fahrstunden haben sowohl der Fahrlehrer als auch der Prüfer beide Augen zugedrückt. Sie glaubten wohl, dass der Herrgott einen Priester nicht im Stich lässt und ihm einen kompetenten Schutzengel jederzeit zur Seite stellt. Beim Erreichen eines Zielortes stellte er das Auto so ab, dass er im Vorwärtsgang wieder abfahren konnte. Nur wenn er in der Einfahrt zum Kirchplatz bei Ackermann parkte, wurde es zu einem Problem. Bei der Abfahrt fuhr er dann im Rückwärtsgang mit Vollgas Vollgas auf die Landstrasse, ohne sich groß um den Verkehr zu kümmern. Wie er das ohne einen Unfall geschafft hat, war wohl Gottes Fügung. Man vermutete damals, dass für ihn doch wohl eine kleine Heerschar Schutzengel abgestellt war, wenn er in sein Auto einstieg.
Die Fahrweise des Pfarrers brachte natürlich einen hohen Verschleiß an der Kupplung mit sich. Hierfür war „Schwager Albert“ (Albert Tewes wurde so genannt), der „Wohltätigkeitsdirektor von Westbevern“ (wie er sich selbst gerne nannte) zuständig. Als zum wiederholten Male wieder der Einbau einer neuen Kupplung fällig war, nahm Albert das Auto wieder mit in die Werkstatt. Schon beim Einsteigen wunderte er sich über den noch schlechteren Zustand des Fahrersitzes. Als die Kupplung eingebaut war, ging Albert zu dem in der Firma tätigen Polsterer und sagte ihm, er möge sich doch den Fahrersitz einmal ansehen. Das Auto gehört unserm Herrn Pastor, und für die Arbeit bekommst Du aber kein Geld. Der Federkern des Sitzes war total in Unordnung, und mit einiger Mühe wurde der Schaden behoben. Hocherfreut brachte Albert das Auto zurück. Am nächsten Abend fand sich der Pfarrer wieder bei ihm ein und fragte: „Herr Tewes, was haben sie nur mit meinem Autositz gemacht?“ Albert sah sich genötigt, den alten Zustand wieder herstellen zu lassen, und Don Camillo war zufrieden gestellt. So ist es auch zu erklären, dass Pfarrer Wiesmann in dem Auto kaum über das Lenkrad schaute. Die Federung hatte sich flach gelegt, und so wirkte er in dem Auto so zwergenhaft. Pfarrer Wiesmann fuhr nach vorheriger Bestellung am ersten Freitag im Monat zu den kranken und älteren Pfarrangehörigen und brachte ihnen die Kommunion. Als er nach einem Unfall gehbehindert geworden war, fuhr er mit dem Auto bis vor die Haustür und hupte kräftig. Dem herauskommenden Angehörigen wurde die Hostie zur Weitergabe überreicht. Er soll auch keine Bedenken gehabt haben, sie einem Kind zu geben.

Pfarrer Wiesmann und die Sitzung des Kirchenvorstandes während der Predigt

Bei dem viel beschäftigten Don Camillo ging vieles gleichzeitig und auch einiges unbürokratischer. Der junge Franziskanerpater Dominikus aus Münster hielt das Hochamt und stand während der Predigt auf der Kanzel. Dabei beobachtete er, dass der Pfarrer während der Predigt durch die Kirche ging und sich kurz mit einigen Männern unterhielt. Als der Pater nach dem Hochamt den Pfarrer nach dem Grund seiner Gespräche befragte, erhielt er die Antwort, dass für eine dringende Angelegenheit ein Beschluss des Kirchenvorstandes erforderlich sei. Diesen Beschluss habe er soeben herbeigeführt. Wobei der Pater ihm antwortete: „Heinrich, Heinrich, das machst Du nicht noch einmal mit mir!“