Teil IV

Bookweiten-Hinnerk

Pastor Baum traf bei seinen Hausbesuchen bei Opken Kläöken in der Mittagszeit ein. Sie war damit beschäftigt, den Buchweizenpfannkuchen zu backen. Als im Verlaufe des Gesprächs der Pastor ihre Kochkünste lobte, soll sie geantwortet haben: "Ja, den Boakweiten-Hinnerk von dee Naoberske, denn kanns jä auk an´n Baum nageln!" Worauf der Pastor verdutzt antwortete: "Wat sall he dao denn!" Kläörken gav ganz reselfeert de Antwort: "Uolge miegen!" Sie wollte damit zum Ausdruck bringen, dass die Nachbarin beim Backen zu wenig Öl gebrauchte.

Das Fahrtenbuch

Das vorab quittierte Fahrtenbuch

August Nosthoff
war nicht nur Dorffriseur, sondern auch Amtsbote. Hierbei hatte er überwiegend die Gemeinde Westbevern zu betreuen. Die Amtsboten hatten hierfür Fahrräder mit einem Kilometerzähler zur Verfügung. Die weiten Fahrten zum Brock, die in bestimmten Zeitabständen erfolgten, mussten vom Bröcker Wirt Weiligmann dann auch noch im Fahrtenbuch gegengezeichnet werden. Der Besuch der Gaststätte war manchmal auch verführerisch, denn man traf ja hin und wieder auch mal Bekannte und wurde dann zu einer Runde eingeladen. Einmal ist es vorgekommen, dass ein paar Runden mehr daraus geworden sind und auf dem Rückweg hat Nosthoff dann sein gerade unterschriebenes Fahrtenbuch verloren. Das Peinliche daran war, dass der Wirt bereits einige Fahrten zum Brock im Voraus unterschrieben hatte und das Fahrtenbuch so beim Amtsrentmeister in Telgte abgegeben wurde. Peinlich peinlich!

Das geht aber nicht !

Berichtigung des Kilometerzählers

Eine andere Begebenheit wusste der ehemalige Amtsrentmeister zu erzählen. Er besuchte einmal den Amtsboten in Westbevern und wollte sich seine Kaninchenzucht ansehen. Als sie in den Hof kamen, stand dort sein Fahrrad auf dem Kopf, der älteste Sohn Walter lag auf den Knien vor dem Vorderrad und drehte mit einem Stock das Vorderrad. Nosthoff sah, wie der Amtsrentmeister stutzte und erklärte. "Walter muss die fehlenden Kilometer nachholen." Der Nosthoff hatte auch die Westbeverner Briefträger als Kunden. Wenn nun mal ein einzelner Brief oder dergleichen im Brock zugestellt werden musste, so gab er das dem zuständigen Briefträger mit, der dann die Zustellung ordnungsgemäß erledigte. So hatte der Sohn Walter dann nur noch die richtige Kilometerzahl einzudrehen.

Der Hausschlachter

Hausschlachtung bei Lütke WesthuesDem alten Hausschlachter Ignaz Füchtenbusch fiel die Aufgabe zu, einen sehr alten und schweren Eber bei Lütke Westhues zu schlachten. Er war 1 Jahr vor der Schlachtung kastriert worden und dann gemästet. Die Gewichtsangabe schwankt zwischen 7 und 9 Zentner. Da Füchtenbusch nicht der Größte und außerdem noch schmal war, glaubten die "Dorfgrößen", der Füchtenbusch sei gar nicht in der Lage, das Schwein zu schlachten. Es wurden sogar schon entsprechende Wetten vorher abgeschlossen.
Am Tage der Hausschlachtung setzte eine "Völkerwanderung" zu Lütke Westhues ein. Man wollte sich natürlich das Ereignis nicht entgehen lassen. Dem Vernehmen nach ist die Schlachtung auch gut gelungen. Füchtenbusch war stolz auf die gewonnenen Wetten, und alle hatten einen Grund zum Umtrunk. In vorgerückter Stunde traf man dann im Dorf beim Wirt Struckmann (heute: Ackermann) ein. Dort ging es dann noch einmal voll zur Sache.
Der alte Gerd Schlunz, der sonst immer mit anderen seinen Schabernack treibt, war diesmal selbst das Opfer. Dem Schlunz, der ziemlich angeheitert war, hatte man das Schweineschnüffelchen des Ebers auf dem Rücken angeheftet. Das ganze Dorf hatte seinen riesigen Spaß, dass es auch einmal den Schlunz getroffen hatte. Sogar Struckmanns Barry (es war ein großer Bernhardienerhund) hatte seinen Spaß, obschon er sonst um Schlunz einen Bogen machte. Schlunz freute sich riesig über die plötzliche Anhänglichkeit des Hundes, aber keiner von den Anwesenden hat ihm die Situation erklärt. So ist er dann mit dem Schweineschnüffelchen auf dem Rücken zu später Stunde nach Hause geschwankt.

Anmerkung:
Diese Geschichte stammt aus der 1. Hälfte des 20. Jahrunderts

Ein echtes Original früherer Zeiten!

Max Schulte Althoff

Der alte Max Schulte Althoff war ein Westbeverner Original. Obschon der Hof politisch zu Greven gehörte, waren die Bewohner Angehörige der Pfarrgemeinde Westbevern. Da Schulte Althoff auch Mitglied der Bäuerlichen Bezugs- und Absatzgenossenschaft Westbevern war, blieb es nicht aus, dass er häufig in der ehemaligen Gaststätte Nathmann anzutreffen war. Max war nicht gut zu Fuß und so wurde häufig seine Einspänner-Kutsche vor der Gaststätte gesehen, denn hier war zu dieser Zeit auch noch die Genossenschaft untergebracht. Wenn dann mal nach einer „gemütlichen Runde“ sein Geld nicht reichte, hatte er eine praktikable Lösung. Er sagte dann zu dem Wirt: „Schriew dat men alles up de graute Reknung bie den Kalkstickstoff!“ Den Rückweg nach Haus fand das Pferd immer, selbst wenn Max schon friedlich schlief.
Bei einer Kindtaufe, fuhr Max als Nachbar den Kutschwagen. Dabei konnte er mal wieder die Bahnlinie ohne einen kleinen Umtrunk nicht überqueren. Alle Insassen, auch der Täufling, machten hier nun zuerst mal eine kleine Pause. Sie muss dann doch wohl etwas länger gedauert haben, denn inzwischen stand das Pferd mit der leeren Kutsche auf dem Hof. So wurde dann jemand beauftragt die Gesellschaft abzuholen. Wo man diese finden konnte, war gar keine Frage. Die feucht fröhliche Gesellschaft war über das Erscheinen des neuen Kutschers ganz erstaunt, denn sie hatte das Fehlen der Kutsche noch gar nicht bemerkt.
Max war ein großer Pferdeliebhaber und züchtete Warmblutpferde. Er nahm auch mit einem Einspänner an den Trabrennen teil, die vor dem 2. Weltkrieg in Telgte-Vechtrup stattfanden. Die Straßenbezeichnung „Alte Rennbahn“ erinnert an diese Rennbahn, die auch mit einer Tribüne ausgestattet war. Bein Training hatte er das Pferd so vorbereitet, dass es auch beim Fuchteln mit der Peitsche und lauten Schimpfereien ruhig weitertrabte. Nur die Pferde der Konkurrenten waren darauf nicht eingestellt, galoppierten und mussten in den Trab zurück genommen werden. So soll er einige Rennen gewonnen oder mit einer Platzierung beendet haben.


Anmerkung:
Max Schukze Althoff war der Vater des langjährigen Reitlehrers August Schulze Althoff. Heute gehört der Hof im Schultenhook zu Westbevern.