Teil III

Die Dörfer Kirmes

Die Dörfer Kirmes war in Westbevern schon immer ein Ereignis. Telgter Bürger kamen früher in sehr großer Zahl zu Fuß oder mit dem Fahrrad nach Westbevern. Besonders groß war der Besuch am Kirmesmontag. Der Josef Weiligmann Sen. meinte, die Westberverner hätten dann in ihrem Dorf nicht mehr das Sagen gehabt.
Zu der Zeit wurde das Karussell noch von einem Pferd gezogen. Als am Montag kurz nach Mittag Schmiemann mit einer Fuhre Mist durchs Dorf fuhr und sah, dass das Karussell sich noch nicht bewegte, hat er gefragt, ob denn noch nichts los sei. Worauf der Karusellbesitzer antwortete, dass man sein Pferd von der Weide hole. Als Schmiemann fragte, ob er nicht solange mit seinem Pferd aushelfen solle, wurde ihm geantwortet, dass sein Pferd dazu gar nicht in der Lage sei. Diese Aussage stachelte den Bauern natürlich an, und es wurde um einen Liter Schnaps gewettet. Als dann die Wette perfekt war, hat der Bauer sein Pferd mit seinem Kittel geblendet und es in das Karussell eingespannt. Nachdem Glockenschlag setzte sich wie vereinbart das Pferd in Bewegung. Als dann jedoch auch noch die Drehorgel aufbrauste, wurde das Pferd von Panik erfasst und galoppierte los. Nach einer längeren Zeit kam das Karussell erst wieder zum Stillstand. Das Pferd war vor lauter Schreck mit weißem Schaum bedeckt. Schmiemann hat seinen Liter Schnaps mitgenommen und ist anschließend mit der Fuhre in die Heide gefahren. Ein billiges Kirmesvergnügen ist es aber nicht gewesen, denn das Pferd war für alle Zeit verdorben.

Jens Holtgreve - Westbeverner Original des 19.Jh.

Was ein Schüler so alles in seiner Hosentasche hat

Johann Holtgreve ging nach der Schulzeit immer zu Weitkamp/Austrup zum Arbeiten, um sich ein kleines Taschengeld zu verdienen. Einmal brachte er zur Schule einen Rest Gummilösung mit und spielte während der Schulstunde damit. Magister Schwarze hat dann wohl etwas bemerkt und stellte Holtgreve zur Rede. Der steckte dann schnell die Gummilösung in die Tasche. Als sich der Lehrer dann an das Ausräumen der Tasche begab, kamen neben der Gummilösung auch noch ein Spinneklaut, Lakritze und eine gebratene Speckschwarte zu Vorschein. Die Situationen blieb jedoch nicht ohne Folgen. Ein Teil der Gummilösung hatte sich inzwischen auf dem Tascheninhalt breitgemacht, und der Lehrer stand da mit seinen klebrigen Fingern. Doch so ein Dorfschulmeister weiß sich zu helfen. Er strich kurzerhand seine klebrigen Finger in den Haaren des bedröppelt dastehenden Holtgreve ab.

Na sowas?

Das Schweineschwänzchen

Ein Schüler hat nach dem häuslichen Schlachtfest das letzte Endchen vom Schweineschwanz mit den Borsten mit zur Schule gebracht. Er hatte das Schwänzchen dann noch mit einem Draht verlängert. Das zufällig in seiner Bank vorhandene Astloch gab dem Schüler reichlich Gelegenheit, die schönsten Spiele mit dem Schwänzchen zu veranstalten und das zur Freude der ganzen Klasse. Als der Lehrer auf das Gelächter aufmerksam wurde, hat der Schüler das Schwänzchen in Richtung Kohlenkasten geworfen. Es ist dann aber nicht in den Kohlenkasten gefallen, sondern in eine Rille des Kaiser-Wilhelm-Ofen. Als es nach einiger Zeit in der Schule verdächtig roch, hat dann der Magister gefragt: "Wer stinkt denn hier so erbärmlich?" Darauf erwiderte ein Schüler: "Dem Bernhard sein Schwanz ist gar!"

Waren Magister bestechlich?

Schulfrei mit Spektakel
Ein nicht gerade begnadeter Schüler sollte für landwirtschaftliche Arbeiten auf dem elterlichen Hof ab 11.00 Uhr vom Schulunterricht befreit werden. Der Lehrer hatte die Uhrzeit wohl vergessen und daher den Schüler nicht gehen lassen. Kurz nach 11.00 Uhr kommt der Vater und tritt mit den Holzschuhen gegen die neue Schultür (Der Neubau der Schule war ja gerade fertig geworden), da er beide Hände belegt hatte, in der einen Hand die Peitsche mit der er knallte, und in der anderen Hand die brennende Pfeife, die nicht ausgehen durfte. Als der Lehrer verduzt die Tür öffnete, kam der Vater herein, baute sich breitbeinig vor ihm auf und fragte: "Soll de Junge vandage nich nao Hues hen kuemmen? Wenn dat so is, dann treck Du men dienen Meß naichstens sölvst no de Heie hen." Der erschrockene Lehrer hat dann den Schüler sofort gehen lassen mit der anschließenden Bemerkung: "Das werde ich aber sofort den Schulinspektor melden." Daraus wird wohl nichts geworden sein, denn der Lehrer wollte ja nicht nur seinen Mist zur Heide gefahren haben, sondern seine umfangreichen Ländereien sollte der Nachbar auch noch weiterhin beackern.

Auch das ist passiert!

Einsegnung eines Bildstockes mit FolgenAn der Hofeineinfahrt Lütke Westhues steht ein Bildstock. Als dieser fertiggestellt war, erfolgte die Einsegnung durch den Geistlichen Rat Dr. Burlage (Verwandtschaft). Die Familie und Nachbarn hörten sich die feierliche Ansprache des Priesters an. In Ermangelung eines Messdieners stand das Weihwasserfass bei der Ansprache des Priesters seitlich auf dem Boden. Der ebenfalls anwesende Hofhund muss das Weihwasserfass wohl verwechselt haben. Nach einem kurzen Beschnuppern hob er sein Beinchen und setzte seine "Duftmarke" an das Weihwasserfass. Worauf die Familie und die Nachbarn, die das mitbekommen hatten und die Andacht nicht stören wollten, es bei einem heftigen Grinsen beließen. Der Priester, der die Tat des Hundes nicht gesehen hatte, wurde ärgerlich und stellte die Familie nach der Einsegnung zur Rede. Nachdem ihm dann später die Untat des Hundes auch mitgeteilt war, konnte auch er sich das Grinsen nicht verkneifen.