Teil II

Öhm Natz un dat Oostlock

Öhm Natz und dat Oostlock

Öhm Natz was een ollen Hierwstgesellen. He was Schnieder un holp sienen Bruoer Clemens biet Handwiärk. Wenn et sien moss konn he auk methölpen de Kierkenglocken to lüen. Et was süss een ganz flietigen Kärl. Bloß aff un too kek he auk wull `n bietken deiper in de Pulle. Un wenn dat mol passert was, dann moss he nachts ut de Bedstiär un gäng dann in den Kohstall. Wenn et dann uower köller was, wuor em dat ümmer so schudderig. Un wie dat dann so is, Naut lährt biärden. Natz schleip up de Upkammer üower den Kohstall, un de Beschuss har an de passende Stiär son schön graut Oostlock. Do holl Natz dann dat Ströhlken ümmer düör. Wenn de Koh an to bölken fong, gaff he dat Ströhlken eenfach `ne etwas annere Richtung. Eenes Dages doch was dat Malör graut. Natz har mol wier siene Honörkes maket un et wüörn mol wier een paar Pinnkes mähr wuorn. He was jüst ant Oostlock togange, äs unnen ut`n Kohstall de Schwögerske reip: „Du olle Supstiärt von Kärl, wenn Du to fuhl bis no unnen to kuemen, dann wochte wainigstens bis ick met melken ferrig bin!“ Son Pech auk, Öhm Natz har ut Verseihen seine Schwögerske druopen.

Magister Schwarze

Anekdoten über den „Magister Schwarze“

Der in Westbevern am 15.11.1844 geborene Linus Schwarze war Lehrer der Dorfschule und der Organist der Pfarrgemeinde. Er bewohnte bis 1912 die Dienstwohnung in der alten Dorfschule in der Pfarrer–Wiesmann-Strasse. Danach wurde das Uphoffsche Haus (heute: An der Linde 5) von der Gemeinde erworben und zur Mädchenschule mit einer Dienstwohnung für den Lehrer Schwarze umgebaut. Hier wohnte er bis zu seinem Umzug in sein neues Wohnhaus, Grevener Strasse 1, im Jahre 1921. Von meinem Vater sind mir einige Anekdoten überliefert, die ich hiermit der Nachwelt erhalten möchte:
Wenn der Magister, so wurde er im Volksmund genannt, während der Schulzeit als Organist tätig werden musste, wurde er von seinen Töchtern Hedwig, geboren 1887, und Emilie, gnt. Milli, geboren 1891, vertreten. Ein Spruch von ihm lautet: „Wo du nicht bist, du Organist, da schweigen alle Pfeifen!“
Dem Magister war es mal wieder zu Ohren gekommen, dass man im Dorf seine Qualität zum Lehrberuf anzweifelte. Nach einem solchen Anlass pflegte er vor der Klasse folgenden Ausspruch von sich zu geben: „Un dann höhrt man in Duorp, he lährt nich, heute regiert die Rute,“ - Mit der Rute hielt er „Zucht und Ordnung“ . Wenn dann mal die alte Rute aufgebraucht war, musste der angehende Deliquent für eine neue Rute sorgen. – „Nachsitzen sollt Ihr bis in die Pechhütte und wenn Euch die Eltern das Essen im Henkeltöpfchen bringen müssen.“

Dat Jöppken kam an sienen Namensdag von de Schole un leip ganz verbiestert so richt to üöwer den Kierkhoff tüsken de Kastanienbaime un de Kierke no Hus hen. He was uower auk gar nich guet tofriär. Ackermann`s Therro soch em un reip: „Jöppken kuen äs iäben hier hen, ick will die doch ton Namensdag graleeren!“ Dat Jöppken was ümmer noch verbiestert, blew uower stohn un segg: „Goh mie doch weg met graleeren, dat hät de Magister auk oll dohn, uower met de Rohe!“ Dorüöwer moß Therro so hiärtlik lachen un dobie gong sien Büksken ümmer so schön up un dal. „Ne“, seg Therro, „Jöppken kuem men iäben, ich will die doch to dienen Namensdag een paar Tippkes gieben.“ Do konn dat Joppken uower wier lachen un leit sik dat nich tweemol seggen. Tippkes sind die Endstücke, die beim Schneiden der noch ungerösteten Zwiebäcke zurückbleiben.

Zu seiner Zeit wurde auch noch das „Kopfrechnen“ in der Schule eifrig geübt. Wenn dann ein Kind nicht schnell genug die Rechenaufgabe lösen konnte, pflegte er zu sagen: „Setz Dich, unser Bölzchen (ein prächtiger Kater) hätte es Dir schon dreimal vorgerechnet!“

Zur damaligen Zeit gab es auch noch viel kältere Wintertage. Bei entsprechenden Temperaturen pflegte der Magister sich neben den Ofen auf den oberen Teil der Schulbank zu setzen, was den hinten am Ofen sitzenden Jungen gar nicht gefiel. Sie pflegten dann gemeinsam sogenannte „Duftmarken“ zu setzen, und nach einiger Zeit sprang der Magister dann mit den Worten auf: „Puh, sie stinken wie die Bären, ja, ja Wurstebrotzeit!“

Der Schüler Alois Rottmann, der während seiner Schulzeit nur „Allops Rattmann“ genannt wurde, muss wohl bei der Schönschrift im Aufsatzheft etwas ungeschickt gewesen sein. Immer wieder geschah es, dass in seinem Heft Tintenkleckse fielen. Aus diesem Grund bunkerte er immer einige Löschblätter in dem Heft. Außerdem riss er auch hin und wieder mal ein Blatt heraus, wenn nach seiner Auffassung zu viele Kleckse vorhanden waren. Wenn Magister Schwarze nach Durchsicht der Hefte diese dann zurückgab, geschah dieses häufig mit einem entsprechenden Kommentar. Bei einer Rückgabe ergriff er das letzte Heft an der vorderen Umschlagseite, hob es in die Höhe, schüttelte es mit folgender Bemerkung: „Und nu Allops Rattmann, he schlurt!“ Hierbei fielen nicht nur die Löschblätter zu Boden, sondern auch noch die zweiten Seiten des Heftes, die sich durch das Herausreißen der ersten Blätter gelöst hatten. Mit dem Ausdruck „he schlurt“ wollte der Magister zum Ausdruck bringen, dass sein Heft die Blätter verliert wie ein Henne die Federn bei der Mauser.

Eine weitere Begebenheit erzählte mir meine Großmutter Plingen Druta (verehelichte Gertrud Verspohl, Vadrup 14). Als Schülerin musste sie häufig nachmittags vor ihrem elterlichen Hof Riemann gnt. Plinge an der Strasse zum Brock die Kühe hüten. Hierbei hatte sie einmal gerade die Bibel zur Hand, um den aufgegeben Text für den nächsten Tag zu lernen. Der vorgenannte Magister Schwarze pflegte am frühen Nachmittag häufiger sein Ackergrundstück
im Krummen Reck, das dem jeweiligen Lehrer der Dorfschule zur kostenlosen Nutzung zur Verfügung stand, zu besichtigen oder gegebenenfalls auch zu bearbeiten. Bei dieser Gelegenheit war es dem Magister nicht entgangen, dass Druta den Text der Bibel erlernte. Am nächsten Tag sagte er dann: “Druta brauche ich heute nicht aufzurufen, denn ich habe es ja gestern gesehen, dass sie die Bibel gelernt hat.“ Fortan nahm sie die Bibel immer mit zum Kühe hüten, wenn am nächsten Tag wieder Bibelstunde war. Nach ihrer Aussage ist sie auch weiterhin verschont worden.

Magister Schwarze war als unser Organist auch damit beauftragt, bei der jährlichen Prozession zur Muttergottes nach Telgte die jeweiligen Kirchenlieder anzustimmen. Zu dieser Zeit trat man erst am Nachmittag den Rückweg an. Somit war unter anderem auch reichlich Gelegenheit gegeben, sich in gemütlicher Runde zu einem „Pröhlken“ zusammen zu setzen. An so einer Runde hatte auch der Magister teilgenommen, wobei einige Runden getrunken wurden und man Telgte gutgelaunt verließ. Im Klatenberg war der Magister dann wohl geistig bei seinem Kaiser angelangt, denn er stimmte das Lied „Heil Dir im Siegerkranz, Herrscher des Vaterlands, heil Kaiser Dir“ an. Ab dem nächsten Jahr trat man dann immer schon am späten Vormittag den Rückweg an und dabei ist es bis zum heutigen Tag geblieben.

Und noch mal Magister Schwarze

Kaisers Geburtstag auf dem EisAm 27. Januar auf Kaisers Geburtstag ging Lehrer Schwarze regelmäßig zum Schlittschuhlaufen auf der Wiese des Schulzen Dieckhoff. Wo heute der Mühlenkamp den Rennerbach kreuzt, stand früher eine Mühle. Im Winter war hier immer der Bach gestaut, und die Kinder konnten bei Frost ihrem Wintervergnügen frönen. Einzelne Kinder hatten auch schon zur damaligen Zeit Schlittschuhe, so auch mein Informant Josef Weiligmann, der sie vom Vikar Lülf geschenkt bekommen hatte.