Teil I

Die Kuh im Zug

Eine Kuh springt aus dem fahrenden Güterzug

Die „Münsterländische Nachrichten“ veröffentlichten am 30.8.1938 unter „Westbevern“ folgenden Artikel:
Auf der Eisenbahnstrecke Münster-Osnabrück kam abends ein Güterzug, der u. a. in einem offenen Viehwagen auch Schlachtvieh transportierte.

Infolge Signalbeobachtung musste der Zug in der Nähe der Station Westbevern langsamer fahren. Diese Gelegenheit benutzte eine Kuh, der wohl die saftigen Weidegründe verlockend die Nase kitzelten, um im kühnen Sprunge aus dem offenen Wagen über die Seitenwand zu setzen. Dieses Wagnis gelang ihr über Erwarten gut und schnell verschwand sie seitwärts in den Büschen. Die von dem Bahnhofspersonal angestellte Suche hatte das Ergebnis, dass man die Ausreißerin nach einigen Stunden in einem Kleefeld ruhig weidend antraf. Der kühne Sprung hatte ihr nur eine Hautschramme am Knie gebracht. Sie wurde eingestallt und dem Güterzugführer zu seiner Beruhigung die Meldung über das wiedergefundene Frachtgut telephonisch nachgesandt.

Störche in Westbevern

Störche in Westbevern

Der Zeitungsbericht pro September 1840 des Herrn Amtmann Schulz an den Herrn Landrat hat folgenden Wortlaut:
„Ein seltenes Ereignis habe ich im vorigen Monatsbericht aufzunehmen übersehen (fand am 5. Aug. im Dorf Westbevern statt): Es kam nämlich daselbst ungefähr 5 Uhr nachmittags eine ungeheure Anzahl Störche an, die zu 500 bis 600 Stück angeschlagen wird und besetzten die Kirche und alle Häuser des Dorfes und der nahen Umgebung, selbst die niedrigsten Hütten. Verweilten daselbst beinahe eine Stunde und zogen dann, als sie von Knaben und anderen Eingesessenen (gestrichen) nach und nach gestört wurden, wieder ab. Es ist dieses um so auffallender, da im Kirchspiel Westbevern sonst wenig Störche gesehen werden.“

Quelle:
Herr Schwinger - Stadt Telgte
Stadtarchiv Telgte, Archiv Nr. C 3092.

Der Spökenkieker aus dem Kattmannskamp

Der in Dorf 56 geborene Professor Ludwig Brungert veröffentlichte im Jahre 1912 in dem „Münsterschen Anzeiger“ Besonderheiten über den Kattmannskamp, die Irmgard Pelster in dem Buch „Use Brock“ (S. 240 ff.) wieder in Erinnerung brachte. Das nachfolgende Erlebnis des 14 Jahre alten Schülers Ludwig trug sich im Jahre 1861 zu.
In der Dorfschule (Dorf 84) wurden zu diesem Zeitpunkt ca. 150 Kinder unterrichtet. Ludwig war damit beschäftigt, der Unterklasse aus einem neuen Lesebuch vorzulesen, als der Vikar ihn zu einem Versehgang zu Möntemanns in den Kattmannskamp abholte. An der Kirche wartete schon der „Öhm Kattmanns Jans“ mit einem einfachen Pferdewagen, um den Vikar und den Messdiener zum Kattmannskamp zu fahren. Ludwig saß mit Öhm Jans vorne auf einem einfachen Brett. Für den Vikar war extra ein einfacher Strohsack angefertigt worden.
Der Messdiener trug eine Krankenleuchte und eine Schelle, die er bediente, wenn sie an Häusern oder Personen vorbeikamen. Ansonsten herrschte auf dem Hinweg Totenstille. Der Geistliche betete entweder den Rosenkranz oder aus dem Brevier.
Nach der Beichte, Kommunion und der Krankensalbung wurde dann noch ein Imbiss gereicht. Auf dem Rückweg wurde es dann interessant für den Messdiener, denn Öhm Jans war ein so genannter Spökenkieker. Man sagt auch wohl, er hat das zweite Gesicht. Nachdem er schon einige Begebenheiten zum Besten gegeben hatte, war man an die Straßenkreuzung angekommen, wo heute die Bröcker Kirche steht. Nun erzählte er folgende Begebenheit:„Ick sin Osterdach üm twe Uhr upstohn, weil ich in Duorp in de Uchtmisse wull üm mien Ostern to hollen. Äs ick so tiegen halv drei üöwer den Schmierhuesken Damm göng, was et wahne lecht wuorn, jüst äs wenn gerade de Mohne upgeiht. Dat Lecht wuor immer heller un kamm immer neiger. buomen an Hiemmel soch ick een Krüß un von allen Kanten kammen de Lüde in Sunndags Tüch. Auk een paar geistlicke Härns de en witt Roschetts anhädden, Göngen tüsken de Lüde. Wat hätt dat wull to bedüten? Off hier wüll een Klein Kiärsken oder en Kapelken henkümp, wovon ick dat Pängelklöcksken hört häff?“ Um 1890 sind die ersten Gespräche über den Neubau einer Kapelle geführt worden.
Als sie dann an der Stelle angekommen waren, wo die Fleiergosse den Fahrweg kreuzt, erzählte Öhm Jans sein Erlebnis vom letzten Sonntag, als er zur Frühmesse über die Holzbrücke ging: „Ick höhrede son Grummeln un Brusen in de Heie, as wenn de ganzen prüsken Suldoten dohertrocken. Et was jüst to dull un hät sieker Krieg to bedüten.“
An dieser Stelle kreuzte später die Eisenbahn den Weg, deren Errichtung um 1870 betrieben wurde.


Anmerkung: Kattmannskamp ist eine alte Bröcker Bauerschaft mit viel Waldgebiet, angrenzend an die heutigen Gemeinden Ladbergen und Lienen-Kattenvenne.